VOM AUSBLICK ZUM RÜCKBLICK – warum wir 2020 keine Neujahresvorsätze benötigen

In keinem Monat wird so viel Tradition gelebt wie im Dezember. Neben Christbaum, Weihnachtsmärkten und Geschenkewahnsinn gehört auch „Rückblick und Ausblick“ zu den liebgewonnenen Gepflogenheiten zum Jahresausklang. Nicht nur in den Medien ein Dauerbrenner – Experten, Promis und Manager teilen in Interviews, Weihnachtsansprachen und Gastkommentaren ihre Gedanken zum vergangenem und zum künftigen Jahr.

Ein altbewährtes Rezept ist: Man nehme den Ausblick vom letzten Jahr und gestalte daraus den Rückblick für das aktuelle Jahr. Ich denke, dass dieser Rat noch nie so wahr war wie heuer. Vor einem Jahr überlegten wir alle, was uns 2019 wohl bringen wird. Es war klar, dass der steile Aufwärtstrend gestoppt ist und dass eventuell am Horizont eine Stagnation, oder gar eine Rezession auftaucht. Irgendwie ist allerdings davon noch wenig passiert. Wir sehen weiter den Handelskrieg der Supermächte USA und China, die EU sitzt noch immer auf der Zuschauerbank der Weltwirtschaft, die Nullzinspolitik hält weiter an, Osteuropa performt stärker als der Westen und der Fachkräfte-Mangel erlaubt den boomenden Branchen nicht jenen Wachstum, den sie gerne hätten, vom Brexit ganz zu schweigen.

Mit einer Ausnahme die 2019 stark in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist und Menschen, Unternehmen und Ökonomien verunsichert hat: der Klimaschutz. Dieser wird uns über 2020 hinaus begleiten. Inwieweit die Krise der deutschen Automobilindustrie damit direkt zusammenhängt oder doch „nur“ eine Modeerscheinung ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Daher benötigen wir für 2020 keinerlei neuen Vorsätze, denn jene von 2019 sind brandaktuell: bei aller Vorsicht und Wachsamkeit sollten wir den Kassandra-Rufen nicht unüberlegt folgen und die self-fulfilling Prophecy der Negativspirale nicht erfüllen.

Autor

Dr. Michael Tawrowsky

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