Insolvenzen in Frankreich: Weniger, aber größer

Insolvenzen in Frankreich: Weniger, aber größer

Während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Frankreich weiter zurückgegangen ist, sind die Insolvenzkosten und die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze gleichzeitig gestiegen. Zwischen Jänner und Oktober 2019 gab es mit 42.300 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum des Vorjahres 3,3 Prozent weniger Firmenpleiten in Frankreich. Damit wird 2019 das vierte Jahr in Folge mit sinkenden Insolvenzahlen.

Das erste Quartal 2019 war von den Auswirkungen der „Gelbwesten"-Bewegung geprägt und daher für die französischen Unternehmen schwierig. Allein im Januar schnellten die Insolvenzzahlen um 9 Prozent im Vergleich zum Januar 2018 empor. Doch im Laufe des Jahres beruhigte sich die Entwicklung. Von August bis Oktober wurden 10 Prozent weniger Verfahren eingeleitet als im Vergleichszeitraum 2018. Coface erwartet jedoch für 2020 mit plus 0,9 Prozent eine leichte Umkehr der Entwicklung, was vor allem auf die erwartete Verlangsamung im Bausektor zurückzuführen ist. Der war im Vorfeld der Kommunalwahlen 2019 vor allem durch öffentliche Arbeiten angetrieben worden.

Die durch Insolvenzen verursachten Kosten stiegen in den ersten zehn Monaten des Jahres auf 3,1 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 14 Prozent verglichen mit Januar bis Oktober 2018. Der durchschnittliche Betrag je Insolvenz liegt bei 73.000 Euro. Insgesamt waren 140.000 Arbeitsplätze von den Insolvenzen betroffen.

Einfluss der "Gelben Westen"

Zu Beginn des Jahres führte die Bewegung der Gelben Westen zu einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen. Dann sorgten die nachfolgenden steuerlichen Maßnahmen der Regierung und die Dynamik des Arbeitsmarktes zu einem Anstieg der Kaufkraft der Haushalte und letztlich zu einem starken Rückgang der Insolvenzen in den verbraucherabhängigen Sektoren des Handels. Zudem leidet der Transportsektor weiterhin unter der Zunahme von Insolvenzen bei Taxi-Unternehmen und Straßentransporteuren. Und der Automobilsektor verzeichnet trotz weniger Insolvenzen einen Anstieg der Kosten für die Ausfälle. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich durch die Schwierigkeiten besonders der Fahrzeugausrüster im Jahr 2019. Deren Marktanteil ist trotz ihrer begrenzten Anzahl beträchtlich. So verzeichnete der Transportsektor 3,2 Prozent mehr Insolvenzen. Das ist nach der Chemiebranche (+6,6 Prozent) der stärkste Anstieg in dem Zehn-Monats-Zeitraum. Den größten Anteil am Insolvenzgeschehen hat noch immer der Bau. Trotz minus 5,1 Prozent sind mehr als ein Viertel (28 Prozent) aller Pleiten in Frankreich aus dieser Branche.

Optimismus durch nationale und vor allem internationale Konjunkturaussichten getrübt

Laut einer von Coface im September 2019 durchgeführten Umfrage unter Branchenführern sind französische Unternehmen relativ zuversichtlich hinsichtlich der Entwicklung ihres Cashflows im Jahr 2020, aber viel weniger in Bezug auf die französische Wirtschaft und vor allem auf die Weltwirtschaft. So ist beispielsweise die Hälfte der Befragten der Ansicht, dass ihre Exporttätigkeit weiterhin hauptsächlich durch Handelsspannungen und geopolitische Risiken gefährdet sein wird, viel mehr als durch den Brexit oder eine mögliche Rezession in den Vereinigten Staaten. Trotz dieser Risiken wird das Jahr 2020 auch Exportchancen bieten, insbesondere in die Europäische Union. Die EU wird nach Ansicht der befragten Unternehmen im nächsten Jahr vor Nordamerika und Asien der dynamischste Markt sein.

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Autor

Carina Reile

Head of Marketing & Communications
Marxergasse 4c, 1030 Wien, Austria
Tel: +43 (0) 1 515 54 510
Email: carina.reile@coface.com

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